DIE THERAPIE


Medikamente - wie sie helfen

Die Verkrampfung der Atemwegsmuskeln sowie Schwellung der Bronchialschleimhaut durch die anhaltende Entzündung führen zur Verengung der Bronchien. Bronchialerweiternde und antientzündliche Medikamente, die vorzugsweise eingeatmet bzw. inhaliert werden,  wirken diesem Prozess entgegen.Ein grosser Vorteil bei der Inhalation ist, das der Wirkstoff direkt in die Atemwege gelangt. So lassen sich mit einer geringeren Wirkstoffdosis gute Ergebnisse erzielen und die Nebenwirkungen deutlich reduzieren. Außerdem wird die Wirkung von Bedarfsmedikamenten beschleunigt.

Für die richtige Bedienung eines Inhaliergeräts müssen junge Asthma-Patienten jedoch eine spezielle Technik erlernen. Sehr kleine Kinder sind damit überfordert. Sie bekommen den Wirkstoff über einen Vernebler, der mit einer Atemmaske oder einem Mundstück ausgestattet ist. Die Kleinen müssen bei dieser Methode den Wirkstoff nicht aktiv inhalieren, sondern bekommen ihn über die normale Atmung in die Lunge. Die Geräte sind relativ groß, sodass Kinder sie nicht ständig bei sich tragen können. Ältere Kinder sollten deshalb möglichst früh den Umgang mit Standard-Sprays wie Dosier-Aerosolen oder Micropulvern erlernen. Hilfreich sind spezielle Übungsgeräte: Sobald stark genug "gezogen" wurde, also die inhaltierte Wirkstoffmenge ausreicht, ertönt ein Pfeifton als Signal.
Grundsätzlich gibt es zwei Gruppen von Arzneimitteln, mit deren Hilfe sich das Asthma kontrollieren lässt:

  1. Bedarfsmedikamente (Reliever): Diese Medikamente setzt man bei einem akuten Asthma-Anfall ein oder wenn ein solcher droht. Sie erweitern die Bronchien kurzfristig und bekämpfen die Atemnot. Ihre Wirkung hält jedoch nur etwa zwei Stunden an.
  2. Langzeitmedikamente (Controller): Diese Arzneimittel beugen Asthma-Anfällen vor oder schwächen sie zumindest ab. Sie reduzieren die Entzündungsneigung der Atemwege und erweitern die Bronchien langfristig.

Medikamente - was es alles gibt

Die medikamentöse Asthmatherapie basiert auf der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass der grundlegende Prozess beim chronischen Asthma die Entzündungsreaktion ist. Deshalb muss nicht nur die Verengung der Atemwege durch bronchialerweiternde (bronchospasmolytische) Medikamente gelindert werden  sondern gleichzeitig die Entzündung der Bronchien behandelt werden.

 

Asthmamedikamente werden vorzugsweise inhaliert, da der Wirkstoff so rasch und ohne Umwege zum »Ort des Geschehens« gelangt und deshalb geringere Nebenwirkungen verursacht
Durch eine abgestimmte Basistherapie und eine gezielte Anfallsbehandlung sind die Beschwerden meist gut unter Kontrolle zu halten. Vorbeugende Maßnahmen (s.u.) gegen Asthma-Anfälle sind ebenso wichtig um das Asthma zu kontrollieren.

Bronchialerweiternde Medikamente

Bronchialerweiternde Medikamente wie Beta-2-Mimetika sorgen dafür, dass die glatten Muskelzellen der Bronchien entspannen. Dadurch erweitern sich die Atemwege. Die Luft kann besser und vollständig ausgeatmet werden. Sie verbleibt nicht in den Lungenbläschen.  Bei ganz leichten und nur selten auftretenden Asthmabeschwerden reicht manchmal die Gabe dieser Medikamentengruppe aus. In der Regel jedoch muss sowohl bronchialerweiternd als auch antientzündlich behandelt werden.

Anti-entzündliche Medikamente

Wichtigstes Medikament gegen die Entzündung der Atemwege bei Asthma sind die inhalierbaren Corticoide (ICS). Sie wirken besonders gut gegen die Entzündungsprozesse im Bereich der Bronchialschleimhaut. Cortison ist ein körpereigenes Hormon. es wird in der Nebenniere gebildet. Es beeinflusst Zellwachstum und Stoffwechselvorgänge. Wenn es inhaliert wird, hat es  - wenn überhaupt - nur selten Nebenwirkungen wie Heiserkeit oder Pilzbefall der Mundschleimhaut. Um dies zu verhindern, sollte nach Einnahme von ICS regelmässig der Mund gespült sowie gegurgelt werden, damit das Cortison aus Mundhöhle und Rachenbereich verschwindet. ICS verhindern bei langfristiger Einnahme die chronische Entzündung und somit einen narbigen Umbau der Atemwege.
 
Manchmal wird der Arzt auch cortisonhaltige Tabletten verschreiben. Diese sollten aber nur bei sehr schwerem Asthma und möglichst  nur kurzfristig angewendet werden.

Sogenannte Leukotrienantagonisten wirken– im Vergleich mit Cortison -  schwächer  antientzündlich, weil sie nur einen Botenstoff?,das Leukotrien, hemmen. Sie  werden in Tablettenform eingenommen.

Bei ganz schweren Allergien können auch sog.monoklonale Antikörper (Anti IgE) gegeben werden. Letztere müssen in regelmässigen z.B. wöchentlichen Abständen unter die Haut gespritzt werden.
 

Kombinationspräparate


Sehr häufig werden inhalierbare bronchialerweiternde und antientzündlich wirksame Asthmamedikamente in Kombinationsform eingenommen. Das ist sehr praktisch und gewährleistet , dass z.B.  nicht  allein ein bronchialerweiterndes  Medikament eingenommen wird.  Am Anfang würde dies zwar zu einer Besserung der Asthmabeschwerden führen, aber längerfristig verschlechtert sich  das Asthma weil ohne antientzündlcihe Medikamente die Entzündung der Bronchien fortschreitet.

Die Behandlung in Stufen


Je nach Häufigkeit der Asthmabeschwerden sowie Einschränkung der Lungenfunktion und der körperlichen Leistungsfähigkeit teilt man die Asthmaerkrankung in fünf Schweregrade ein. Art und Dosis (Menge) der einzunehmenden Medikamente richten sich nach dem Schweregrad, wobei grundsätzlich gilt: soviel wie nötig, so wenig wie möglich. Ziel der Therapie mit Medikamenten ist, dass der Betroffene durchgehend beschwerdefrei und gut belastbar ist. In sehr schweren Fällen muss Kortison möglichst kurzeitig in Tablettenform eingenommen werden.

 

Schweregrad
Beschwerden

Stufe 1

Vorübergehende Beschwerden, ein- bis zweimal pro Woche

Stufe 2

Mehrmals wöchentlich Beschwerden

oder

Mehrmals pro Woche ein schnellwirkendes Spray/Pulver verwendet

Stufe 3

Regelmäßiger Einsatz von kortisonhaltigen Sprays oder Pulver in niedriger Dosierung; trotzdem können Beschwerden nicht verhindert werden

Stufe 4

Regelmäßiger Einsatz von stärkeren Medikamenten; dennoch keine gute Kontrolle der Beschwerden

Stufe 5

Dauerhafte Beschwerden trotz einer Behandlung nach den Empfehlungen für die vorherigen Stufen

 

Vereinfachte Einteilung Experten schlagen auch eine vereinfachte Einteilung der Krankheit vor. Sie unterscheidet in kontrolliertes Asthma, teilweise kontrolliertes Asthma und unkontrolliertes Asthma.

 

Kriterium
Kontrolliertes Asthma
(alle Kriterien erfüllt)
Teilweise kontrolliertes Asthma
(ein bis zwei Kriterien innerhalb einer Woche erfüllt
Unkontrolliertes Asthma

Symptome tagsüber

keine

öfter als 2x/Woche

oft

Einschränkungen von Aktivitäten im Alltag

keine

ja

Drei oder mehr

Kriterien des „teilweise

kontrollierten Asthmas“

innerhalb einer Woche

erfüllt

Nächtliche/s Symptome/Erwachen

kein/e

ja

Einsatz einer Bedarfsmedikation/ Notfallbehandlung

keine

öfter als 2x/Woche

Lungenfunktion (PEF/ FEV1)

normal

vermindert

Exazerbation*

keine

1x/Jahr

1x/Woche

*Episode mit Zunahme von Atemnot, Husten, pfeifenden Atemgeräuschen und/oder Brustenge, die mit einem Abfall von PEF oder FEV1 einhergeht.

Asthma unter Kontrolle

Ziel einer Asthma-Therapie ist es, dass Kinder und Jugendliche ein möglichst normales Leben führen können. Dazu gehört, dass:

  • keine Asthma-Anfälle auftreten
  • die Lungenfunktion stabil bleibt und sich langfristig sogar verbessert
  • die Kinder und Jugendlichen in ihren körperlichen Aktivitäten möglichst wenig eingeschränkt sind
  • ihre Entwicklung durch das Asthma möglichst wenig beeinträchtigt wird



Der Asthmanotfall - vor allem Ruhe bewahren

Bei einem plötzlich auftretendem Asthmaanfall sind rasche Maßnahmen notwendig! Dabei ist auf eine ruhige Atmung (in den Bauch) mit Unterstützung durch die Arme zu achten. Lippenbremse benutzen, d.h. gegen locker aufeinander liegende Lippen ausatmen, das erleichtert die Atmung. Nicht pressen! Umstehende sollten Ruhe bewahren und beruhigend auf die Betroffenen einwirken. Wichtigste Maßnahme ist die Einnahme sofort wirksamer Bronchialerweiterer (Beta-2-Mimetika) durch Inhalation auch mehrfach hintereinander. Zunächst 2-4 Hübe inhalieren, bei Kindern immer mit einer Inhalierhilfe (s. Abbildung). Sofern keine Besserung nach 10-20 min wiederholen. Zusätzlich Cortison 1 mg pro kg Körpergewicht bei Kindern über 2 Jahre oder 25-50 mg des Cortisons Prednisolon als Tablette bei Jugendlichen. Sofern keine Besserung unbedingt Notarzt (Feuerwehr) rufen. Falls Peak Flow Meter vorhanden Peak Flow Kontrolle.